Als ehemaliges Restaurationsgebäude der Schultheiss-Brauerei – der einst größten Brauerei der Welt! – blickt der Frannz auf eine lange Geschichte zurück: Als Ausflugsort am Rande der Stadt im 19. Jahrhundert von den Berlinern geliebt, als der legendäre Ost-Berliner Franz-Klub wild und subversiv befeiert!

1. spezialausschank

ES WAR EINMAL… EINE BRAUEREI


Die Berliner, die Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Pferdekutsche hierher einen Ausflug ins Grüne machten, führte der Weg an Kartoffel- und Getreidefeldern vorbei – der steile Prenzlauer Berg befand sich deutlich hinter der Stadtgrenze. Mit seinen vielen Windmühlen wurde das Gebiet zwischen Schönhauser und Prenzlauer Tor auch Windmühlenberg genannt.

9. windmuehlenberg Fr.A.Calau 1790

 

Hier kaufte 1842 der Apotheker August Heinrich Prell einem Brauer namens Wagner seine Lagerkeller für seine Kreuzberger Brauerei ab. Er betrieb vor Ort auch schon einen kleinen Ausschank. Er probierte sich am neuen untergärigen Bier – das Kultgetränk seiner Zeit – und dafür war der Standort Notwendigkeit: gutes Wasser und durch die in der Eiszeit entstandene Anhöhe tiefe, kühle Keller. Die Geschichte dieses Ortes ließe sich also auch bei Grundmoräne und Urstromtal beginnen, die jedes Berliner Kind aus der Schule kennt. Das Brauerei- und Gastronomiegewerbe um den Windmühlenberg florierte und wurde zu einem Naherholungsort für die Berliner. Auch heute noch zeugen die vielen Brauereien von dieser Zeit.

 

Biergarten - historisch

1853 kaufte Jobst Schultheiss Prells Brauerei, gab ihr seinen Namen und vergrößerte das Gebiet auf das, was wir heute kennen. Bald übernahm der nur neunzehnjährige Richard Roesicke die Brauereiführung – er brachte das Bier an die Weltspitze. In weniger als 50 Jahren sollte er aus dieser Brauerei ein Riesenunternehmen machen.

Die Brauereigebäude nach der Architektur von Franz Schwechten (noch ein Franz!) stehen seit 1892. Im Frannz war von Anfang an der Ausschank der Brauerei mit einem großen begehrten Biergarten unter schönen Linden.

Bier gebraut wurde zum letzten Mal 1967. In der DDR wurde die Brauerei als Möbellager und -kaufhaus genutzt. Das Restaurationsgebäude aber wurde 1962 zum Kreiskulturhaus „Erich Franz“ – benannt nach einem bekannten DEFA-Schauspieler. Ab 1970 wurde es zum Jugendklub „Franz“. Tanz- und Konzertveranstaltungen sind legendär. 1997 musste er schließen.

Seit 2004 ist der Frannz wieder Schauplatz Berliner Kultur. Im Ausschank der alten Brauerei wird heute köstliche Berliner Crossover-Küche serviert und in Club, Lounge und Salon Kulturszene gereicht: Konzerte, Partys, Impro-Theater, Kneipen-Quiz, Tanzkurse, Tatort, Public Viewing, Lesungen und vieles mehr beleben die historischen Räume. Im Biergarten, in dem man noch immer unter Linden herrlich dem Stadttrubel entfliehen kann, tanzt, esst und feiert Ihr das Leben!